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Interview mit Markus Dietrich, Sprecher des Vorstands, DICAMA AG

„Mittelstandsanleihen richtig auswählen aus Sicht von Investoren und richtig strukturieren aus Sicht der Emittenten“

Im laufenden Jahr gab es diverse – weitere – Havarien am für Mittelstandsanleihen. Vermeintliche Sicherheiten stellten sich als inexistent heraus. Markus Dietrich plädiert dafür, gleich beim Set-up einer Emission an sämtliche Eventualitäten zu denken – das liege auch in der Verantwortung der beteiligten Dienstleister.

BondGuide: Herr Dietrich, welchen Ver- lauf nahm aus Ihrer Sicht der Mittelstandsanleihenmarkt in diesem sicher- lich für alle anspruchsvollen Jahr?

Dietrich: Naturgemäß war es sicher aus Sicht aller Emittenten und Marktteilneh- mer ein eher schwieriges Jahr. Inflationssorgen, Krieg und eine damit einhergehende Investitionsunsicherheit haben den Markt geprägt und Investoren nach- vollziehbarerweise zögerlich agieren lassen. Selbst DICAMA hat auf der Kapitalmarktseite nur vier Private-Placement- Platzierungen erreichen können. Wir ge- hen allerdings bereits im Frühjahr 2023 von sich normalisierenden Märkten aus. Die Inflation hat aus unserer Sicht weniger mit der aktuellen EZB-Politik zu tun. Man erkennt dies schon an der relativ grotesken Situation, dass der Leitzins sukzessive erhöht wurde, aber die Anleihekäufe weiterlaufen. Wir gehen mittel- fristig von einer Seitwärtsentwicklung der Zinsen aus, da die aktuell abflachen- de Gesamtkonjunktur die EZB zu konzentrierten Zinsschritten zwingen wird. Im Anleihenmarkt ist der alte 6,5%-Ku- pon nun aber sicher 7,5% p.a. Wir wer- den also wieder qualitativ geeignete Emittenten im BB-Bereich bei über 7% Verzinsung sehen.

BondGuide: Was bedeutet für Investoren ‚Mittelstandsanleihen richtig kaufen?

Dietrich: Nun ja, das ist relativ simpel. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Emissionen erlebt, wo eigentlich echter Bedarf an Mezzaninekapital, häu- fig eigenkapitalersetzend, als Mittel- standsanleihen ‚verkleidet‘ wurde. Somit ist ein Credit-Matrix-Risiko, das eigent- lich mehr Kupon hätte kosten müssen, für um die 7% p.a. in die Portfolios von Investoren gewandert. Schauen Sie hierzu bitte in die aktuellen Ausfälle von Mitler, Wind- oder PV-Entwickler oder Un- ternehmen mit Entwicklungsrisiken jeder Art, sogenannte Asset Light Targets, dürfen aus unserer Sicht keinesfalls oh- ne entsprechende Sicherheiten an den Anleihemarkt gebracht werden. Ausnahmen sind maximal Unternehmen mit ex- trem starken Cashflows und prall gefüllten Pipelines.

BondGuide: Legt DICAMA hier die Messlatte höher?

Dietrich: Sie sehen hier bei DICAMA immer einen Asset-backed-Finance-Ansatz, was bedeutet, dass nur Emittenten zugelassen werden, die über mindestens genügend fungible Sicherheiten verfügen und dazu vernünftige Credit Gea- rings in Kombination mit einer guten Finanzkraft vorweisen. Wäre jeder diesem Qualitätsansatz gefolgt, hätten wir allein 2022 den Ausfall dreier großer Anleihen nicht erleben  müssen.  Non-bankable Targets sind sehr willkommen im Anlei- hemarkt, aber klare Covenants, Sicherheiten und ein laufendes Monitoring dürfen keinesfalls fehlen. Anleihen sind kein Eigenkapital und eignen sich aus- drücklich nicht als Sanierungs- bzw. Restrukturierungskapital. Dafür gibt es jede Menge guter Private Debt Funds. Ich würde ja sagen, kaufen Sie nur Anleihen von DICAMA, dann muss sich niemand mehr ärgern.

BondGuide: Gibt es weitere Merkmale, die unbedingt zu beachten wären?

Dietrich: Es gilt, dass die grundsätzlichen Marktmerkmale für die erste Entscheidung aus dem klaren Verstand ab- geleitet werden. Aussterbende Branchen wie Gießereien, Getriebehersteller, Nussimporteure oder exotische Unter- nehmensstrukturen mit Holdings in Monaco oder eben unübliche Strukturen sollten grundsätzlich zur Zurückhaltung anregen. Einfach ist meistens auch transparent. Wer etwas zu verstecken hat, hat meist tatsächlich etwas zu ver- stecken. Die Immobilienparty der letzten zehn Jahre ist ebenfalls vorbei, wobei man bemerken muss, dass etwaige As- setmanager weiterhin von einem vielleicht konsolidierenden Immobilien- markt profitieren können. Aber grund- sätzlich gilt auch hier: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

BondGuide: Kommen wir zur Emittentenseite – was muss eine gute Anleihe oder ein guter Emittent mindestens mitbringen?

Dietrich: Eine ordentliche Legal Due Di- ligence, ein Comfort Letter, Sicherheiten, Covenants, die auch Covenants sind, und – unabhängig vom Börsensegment – eine freiwillige Halbjahresbilanz muss die Grundausstattung einer guten Anleihe sein. Ein positiver Geschäftsverlauf ohne größere   Restrukturierungsplanung müsste ebenfalls so selbstverständlich sein wie eine starke Eigenkapitalbasis und ein zuverlässiges Management. Wie gesagt: Der Mittelstandsanleihenmarkt ist ein Markt für Non-bankable- Finanzierungen, die aufgrund der Bankenregulierung angefragt werden. Unternehmen, die eine Bankenfinanzierung eigentlich günstiger akquirieren könnten, sollten mit allerhöchster Vorsicht geprüft werden. Ansonsten gelten die Punkte hier in unserem Gespräch, die Investoren im Auge haben sollten.

BondGuide: Wie lautet Ihr Fazit oder Ausblick?

Dietrich: Wer in den letzten Jahren als Investor richtig ausgewählt hat, allen voran auch die Finanzintermediäre ver- folgt, konnte fantastische Überrenditen erzielen, ohne Ausfälle verkraften zu müssen. Fragen Sie gerne bei uns nach, wir verfolgen selbstverständlich auch gute Emissionen, die nicht aus unserem Hause kommen. Wir stehen jederzeit sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite und haben mit großem Abstand als marktführender Player weitreichende Erfahrung im Mittelstandsanleihenmarkt seit 2009.

BondGuide: Herr Dietrich, besten Dank an Sie für das Update.

Das Interview führte Falko Bozicevic.

Quelle: https://www.bondguide.de/