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„Unser Green Bond ist vollumfänglich besichert“, Andreas Hoffmann, Greencells GmbH

Die Greencells GmbH emittiert eine 5-jährige besicherte Anleihe mit einem Kupon von 6,50% p.a. Im Gespräch mit GREEN BONDS erläutert Geschäftsführer Andreas Hoffmann die Details zur Besicherung und der Strategie des Unternehmens.

GREEN BONDS:
In welchem Bereich ist Greencells tätig?

Hoffmann: Unser Fokus liegt zu 100% auf Solar und damit auf der Assetklasse innerhalb der erneuerbaren Energien mit dem besten Chancen-Risiko-Profil. Solarenergie ist bereits heute aufgrund wettbewerbsfähiger Stromgestehungskosten auch ohne Subventionen wirtschaftlich. In dieser hoch attraktiven Wachstumsbranche sind wir mit einer installierten Leistung von 2,1 GWp ein in Europa führender und weltweit agierender EPC- und O&M-Dienstleister für Utility Scale-Solarkraftwerke. Gemeinsam mit unserer Schwestergesellschaft Greencells Group Holdings, die weltweit als Photovoltaikprojektentwickler agiert, verfügen wir in allen Projektphasen über das Know-how, um Solarprojekte aus einer Hand optimiert zu planen, zu finanzieren, umzusetzen und zu betreiben.

GREEN BONDS: Wer ist Ihr größter Gesellschafter – die Zahid Group?

Hoffmann:
Die Zahid Group hält 50% am Unternehmen. Die verbleibenden 50% verteilen sich zu je 25% auf die beiden Unternehmensgründer – also Emil Marius Kisauer und mich, den CEO der Gesellschaft. Die Zahid Group ist ein weltweit tätiges, saudi-arabisches Familienunternehmen mit ca. 4.000 Mitarbeitern, das 1943 gegründet wurde und über ein diversifiziertes Portfolio mit mehr als 60 Marken verfügt, das sowohl strategische Partnerschaften und Joint Ventures mit international bekannten Unternehmen wie Caterpillar, Total oder General Electric als auch Eigenmarken umfasst. Dank dieses starken Ankergesellschafters sind wir seit 2018 in der Lage, unsere Internationalisierungs- und Expansionsstrategie konsequent umzusetzen.

GREEN BONDS: Welche Auswirkungen hatte die Covid-19-Pandemie auf Ihre Geschäftsentwicklung?

Hoffmann: Im 1. Halbjahr 2020 kam es COVID-19-bedingt zu mehreren Projektverschiebungen in das 2. Halbjahr 2020 bzw. in das Jahr 2021 – aber zu keinen Projektabsagen. Aktuell sind wir schon auf einem sehr guten Weg, mit zusätzlicher Dynamik diesen Effekt bereits in diesem Jahr nahezu vollständig aufzuholen. Dementsprechend erwarten wir in der 2. Jahreshälfte einen deutlichen Umsatzanstieg bei stabiler Marge, sodass wir in Summe davon ausgehen, in einer ähnlichen Größenordnung wie 2019 abschließen zu können.

GREEN BONDS: Bitte erläutern Sie die Eckpunkte der Anleihe.

Hoffmann: Unser Green Bond ist vollumfänglich besichert und bietet über die Laufzeit von 5 Jahren einen attraktiven Kupon von 6,50% p.a. bei halbjährlicher Zahlung. Die Covenants beinhalten neben den üblichen Klauseln zu Kontrollwechsel und Drittverzug auch eine Ausschüttungsbegrenzung, eine Transparenzverpflichtung sowie sicherheitenbezogene Covenants.

GREEN BONDS: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Hoffmann:
Durch den Emissionserlös wollen wir unser erfolgreiches Wachstum nochmals beschleunigen. Geplant sind daher u. a. der Erwerb fast baureifer Projektrechte und – in Ergänzung zu Eigenmitteln – der Ausbau des Projektentwicklungsgeschäfts unserer Schwestergesellschaft in europäischen Kernmärkten und Märkten mit geringen Länderrisiken. Durch die Investments in Projektrechte, die sich bereits in der Spätphase der Entwicklung und damit in einem sehr risikoarmen Stadium befinden, erhöhen wir automatisch den Umfang unserer gesicherten EPC- und O&M-Verträge nochmals deutlich.

GREEN BONDS: Wie ist die Anleihe besichert?

Hoffmann:
Das Sicherheitenpaket enthält Projekte unserer Schwestergesellschaft aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden, die an einen Treuhänder verpfändet sind. Laut Gutachten der Apricum GmbH beträgt der Netto-Sicherheitenwert auf Basis aktueller Marktdaten 34,5 Mio. Euro. Er steht damit einem Anleihevolumen von bis zu 25 Mio. Euro beziehungsweise einem Gesamtvolumen für Zins und Tilgung von insgesamt 33,125 Mio. Euro gegenüber. Zusätzlich erfolgt eine Sicherungsabtretung von Forderungen aus EPC-Verträgen der Emittentin für Solarprojekte in Höhe von mindestens 10 Mio. Euro. Neben den Sicherheiten besteht eine Kreditlinie der Schwestergesellschaft zugunsten der Emittentin über bis zu 33,125 Mio. Euro bis zum 31. Dezember 2025.

GREEN BONDS: In welchem Stadium befinden sich die Projekte, die im Sicherheiten-Basket sind?

Hoffmann: Unserem grundsätzlichen strategischen Ansatz folgend befinden sich sämtliche Projekte mindestens bereits in der mittleren Entwicklungsphase. Das bedeutet, dass eine positive Machbarkeitsanalyse vorliegt und die wesentlichen Entwicklungsrisiken bereits ausgeschlossen sind, d.h., die Grundstücke sind gesichert und der Netzanschluss ist geklärt.

GREEN BONDS: Sind bei den Projekten im Sicherheiten-Basket alle Genehmigungen final vorhanden und ist der Netzanschluss gesichert?

Hoffmann: Da sich die Projekte in der mittleren Entwicklungsphase befinden, ist der Netzzugang natürlich gesichert, die formalen Baugenehmigungen stehen erst noch bevor – und zwar in der direkt anschließenden, späten Entwicklungsphase. Diese nächsten Schritte sind in der Praxis dann nach allen Erfahrungen nur eine Formalität, da wie erwähnt bereits eine positive Machbarkeitsanalyse vorliegen muss, die alle wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Aspekte vollständig umfasst.

GREEN BONDS: Gibt es andere (Bank-)Verbindlichkeiten in den Sicherungsprojekten?

Hoffmann:
Nein, es handelt sich um vollständig unbelastete Sicherheiten – und das wird auch so bleiben. Gegenüber Dritten wird es keine Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten oder Bestellungen von Sicherungsrechten geben. Umgekehrt ist es ja so, dass unsere Schwestergesellschaft der Greencells GmbH als Emittentin zusätzlich noch eine Kreditlinie über bis zu 33,125 Mio. Euro einräumt – das sollte den Investoren einen doppelten Komfort geben.

GREEN BONDS: Können Sie Projekte aus dem Sicherheiten-Basket verkaufen und gibt es dann eine Nachbesicherung?

Hoffmann: Ja, es ist grundsätzlich möglich, während der Laufzeit der Anleihe die anfänglichen Sicherheiten ganz oder teilweise zu ersetzen. Voraussetzung ist, dass der Sicherheitentreuhänder vorher zustimmt und der Netto-Sicherheitenwert des Baskets auch nach dem Austausch weiterhin mindestens 33,125 Mio Euro beträgt – und zwar laut Marktwertgutachten eines branchenanerkannten Gutachters, das der Sicherheitentreuhänder zur Prüfung des Wertes zugrunde legen muss.

GREEN BONDS: Ist sichergesellt, dass die Projekte, die in den Sicherheiten-Basket nachgereicht werden, sich im gleichen Stadium befinden wie die aktuellen Projekte?

Hoffmann: Ja, das ist sichergestellt, da wir grundsätzlich immer erst ab der mittleren Entwicklungsphase in Projekte einsteigen. Zusätzlich muss der Treuhänder auch dem Austausch zustimmen.

GREEN BONDS: Wo sehen Sie Greencells am Laufzeitende der Anleihe?

Hoffmann: Wir wollen uns in den kommenden Jahren gemeinsam mit unserer Schwestergesellschaft als die führende End-to-End-Boutique für die Entwicklung, die Planung, den Bau und den Betrieb von Solarkraftwerken etablieren. Unser geografischer Schwerpunkt wird weiterhin Europa sein, denn hier sind wir aufgewachsen und hier sehen wir weiterhin enormes Potenzial. Das spiegelt sich auch in unserer gesicherten Projektpipeline wider, die insgesamt 1,8 MWp umfasst und somit einem aus Marktwerten erwartbaren Umsatz von über 850 Mio. Euro bis 2024 entspricht. Parallel zur Fortsetzung unseres Wachstums wollen wir uns auch am Kapitalmarkt kontinuierlich weiterentwickeln und uns nachhaltig als zuverlässiger Emittent etablieren.

GREEN BONDS: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.green-bonds.com