Mittelstandsanleihen sind plötzlich wieder gefragt

 

Der Markt für Mittelstandsanleihen wurde vielfach schon für tot erklärt. Jüngste Emissionen waren aber begehrt. Doch schon gibt es auch wieder Misstöne.

Der Markt für Mittelstandsanleihen zeigt sich in den vergangenen Monaten fast schon überraschend lebhaft. Eine Reihe von Emittenten, deren Anleihen in den Folgemonaten auslaufen, hat sich überraschend problemlos neu finanzieren können.

Den Anfang hatte im März der Hemdenhersteller Eterna gemacht, der allerdings nur 25 der 55 Millionen Euro aus der Alt-Anleihe über die Begebung einer Schuldverschreibung refinanzierte. Eterna bot dafür mit einem Zins von 7,75 Prozent einen Aufschlag von 7,6 Prozentpunkten auf den Referenzzinssatz (siehe dazu auch Kasten am Ende des Textes). Das waren 0,53 Prozentpunkte mehr gewesen als bei Begebung der Vorgänger-Anleihe im Jahr 2012, so dass sich Eterna am Anleihenmarkt teurer refinanzieren musste.

Jüngst zeigte sich der Markt extrem aufnahmebereit. Den Startschuss gab dabei wohl der Holzwerkstoffverarbeiter Homann. Dieser konnte Anfang Juni problemlos binnen weniger Stunden 50 Millionen Euro einwerben und damit die Hälfte der Mitte Dezember fälligen Anleihe refinanzieren und hätte durchaus noch mehr Anleihen verkaufen können. Homann bot für die neue Anleihe einen Aufschlag auf den Referenzzins von 5,1 Prozentpunkten – rund einen Prozentpunkt weniger als 2012.

Möglicherweise davon ermutigt, trat wenige Tage später auch das Bergbau-Unternehmen Metalcorp an die Anleger heran, obgleich dessen Anleihe erst im Juni 2018 fällig wird. Metalcorp zeigte sich mit einem geplanten Volumen von 70 Millionen Euro noch mutiger und war erfolgreich, obwohl sich das Unternehmen über die Refinanzierung hinaus mit weiteren 40 Millionen Euro verschuldete. Gegenüber dem Jahresende 2016 bedeutete das einen Anstieg der Bruttofinanzverschuldung von 25 Prozent. Metalcorp hatte im Vergleich zur Alt-Anleihe aus dem Jahr 2013 einen um 0,65 Prozentpunkte niedrigeren Aufschlag geboten.

Zwei weitere Unternehmen versuchen sich derzeit an der Refinanzierung. Zum einen der Spezialist für Druckerzuführungen BDT. Dessen Versuch ist bescheiden: Gerade einmal fünf Millionen Euro will das Unternehmen aus Rottweil einsammeln. Das ist weniger als die Hälfte des Rest-Volumens der Alt-Anleihe aus dem Jahr 2012.

BDT gilt mit einem Creditreform-Rating von „CCC“ als angeschlagen und quält sich mit hartnäckigen Verlusten. Die Eigenkapitalquote lag zu Jahresbeginn bei nur noch sieben Prozent. Dafür bietet BDT einen um 0,66 Prozentpunkte höheren Risikoaufschlag als 2012. Das muss es aber auch, weil die neue Anleihe nachrangig ist. Das bedeutet, dass im Zweifelsfall bei einer Insolvenz mit einem Totalausfall zu rechnen ist.

Auch die Anleihe des Autozulieferers Paragon wird wie die von Metalcorp erst im Sommer des kommenden Jahres fällig. Unlängst ließ Paragon dennoch verlauten, man habe vor dem Hintergrund des derzeit attraktiven Kapitalmarktumfeldes eine Emission geprüft. Will sagen: Die Gunst der Stunde sollte genutzt werden. Kurz darauf vermeldete Paragon eine Anleihe im Volumen von 40 Millionen Euro auflegen zu wollen. Ein noch etwas mutigeres Unterfangen: Denn das Unternehmen hatte 2013 nur 10 Millionen Euro plaziert und diese Anleihe danach noch einmal um rund 3 Millionen Euro aufgestockt.

Offenbar scheint das Ausbleiben weiterer Hiobsbotschaften und einige gelungene Refinanzierungen in diesem Jahr Anleger in Sicherheit zu wiegen und ihre Bereitschaft erhöht zu haben, hochverzinste Anleihen zu kaufen. Möglich, dass die jüngste relative Ruhe glauben macht, die Marktbereinigung sei schon vollendet.

Misstöne in dieses Konzert bringt allerdings das jüngste Ansinnen des Herstellers von Rohrleitungssystemen, Sanha. Dieser hat am Dienstag den Anleihegläubigern vorgeschlagen, die im Juni 2018 fällige Anleihe um weitere fünf Jahre zu verlängern. Der Zinssatz soll zudem von 7,75 auf 5,5 Prozent sinken. Das entspricht einer drastischen Senkung des Aufschlags auf den Referenzzins von fast 2,4 Prozentpunkten. Das ist weit mehr als die anderen Emittenten gewagt haben.

Dafür bietet Sanha Grundbuchsicherheiten mit einem angegebenen Wert von knapp 10 Millionen Euro sowie eine jährliche Tilgung von 10 Prozent des Volumens ab 2019. Entscheiden sollen die Anleger Ende Juli in einer Abstimmung ohne VersammlungDie Rating-Agentur Creditreform wertet das Ansinnen negativ und senkte die Bonitätseinschätzung auf die schlechteste Note von „C“. Zuvor hatte dies bei „B-„ und war damit schon recht schwach gewesen.

Sanha räumt ein, in der Vergangenheit mit seinen Markterwartungen nicht richtig gelegen zu haben: Zum Zeitpunkt der Anleiheemission im Juni 2013 sei man von einem schnelleren Return on Invest ausgegangen. Man habe die Einschätzungen zu einzelnen Märkten und Produkten korrigieren müssen. Der Strukturwandel sei unerwartet stark gewesen und habe die Umsatzentwicklung in Deutschland gedämpft. Auch sei die Umstellung auf bleifreie Produkte langsamer als geplant verlaufen.

Dennoch sei man für die anstehenden Marktveränderungen gut gerüstet. Gleichzeitig legte Sanha Zahlen für 2016 vor, nach denen sich das Ergebnis weniger stark verbessert hat, als dies zwei Monate zuvor die vorläufigen Zahlen angaben.

Immerhin sei ein unabhängiges Gutachten zu dem Ergebnis gelangt, dass Sanha ausreichend liquide Mittel generieren werde, um den Kapitaldienst zu leisten und die Anleihe 2023 vollständig zu tilgen.

Um eine Refinanzierung bemüht sich auch das Mode-Unternehmen More&More, dessen Anleihe im Volumen von knapp zehn Millionen Euro im Juni 2018 fällig wird. Ende Mai hatte man ein Rückkaufangebot für 3,85 Millionen Euro zu einem Kurs von 35 Prozent angekündigt, das an ein Mindestannahmevolumen gebunden war und bis zum 16. Juni laufen sollte.

Das scheint nicht so gut gelaufen zu sein. Zwei Tage vor Fristende kündigte More&More an, auf das Mindestannahmevolumen zu verzichten. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das ist allerdings bei More&More auch nicht verwunderlich. Das Unternehmen lässt sich oft Zeit. So werden Jahresabschlüsse üblicherweise erst 15 Monate nach Geschäftsjahresende veröffentlicht. Der letzte Halbjahresbericht datiert aus dem Jahr 2014.

Immerhin hatte man im Mai schon einmal vermeldet, dass sich der Verlust im vergangenen Jahr auf rund 2,6 Millionen Euro mehr als vervierfacht hat. Gewinne machte More&More zuletzt im Jahr 2012. Ende 2015 lag die Eigenkapitalquote bei wenig mehr als einem Prozent.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/mittelstandsanleihen/mittelstandsanleihen-sind-ploetzlich-wieder-gefragt-15072735-p2.html
von Martin Hock