Jens-Uwe Sauer, Gründer und Geschäftsführer von Seedmatch und Mezzany im Interview mit Bondguide über die Besonderheiten von Crowdfunding, die aktuelle Emission auf Mezzany – und sogar mögliche Alternativen

Jens-Uwe Sauer, Gründer und Geschäftsführer von Seedmatch und Mezzany im Interview mit Bondguide (http://www.bondguide.de)

BondGuide: Herr Sauer, eine Verständnisfrage vorab: Weshalb braucht Deutschland die Crowd-Finanzierungsplattform Mezzany?

Sauer: Als wir vor ungefähr dreieinhalb Jahren mit der Frühphasenfinanzierungsplattform Seedmatch an den Start gegangen sind, gab es noch ein Marktversagen bei der Finanzierung von Start-ups. Zum Glück ist das heute anders: Es gibt eher einen Angebotsmangel. Zum einen bieten wir Investoren bei Mezzany eine Handelbarkeit ihrer Investitionen, zum anderen eine ganz andere User Experience als bei z.B. Seedmatch. Mezzany adressiert deshalb einerseits depotfähige Wertpapiere und andererseits etablierte, vor allem aber wachstumsstarke Unternehmen. Wir müssen unsere heimischen Start-ups ja nicht ins Ausland schicken, um Wachstumsfinanzierungen hinzubekommen.

 

BondGuide: … wie etwa?

Sauer: Wie etwa Zalando. Zalando wurde mit schwedischem, kanadischem und russischem Kapital groß gemacht – obwohl wir ja in Deutschland nicht unbedingt einen Engpass bei der Liquidität sehen. Das könnten wir auch.

 

BondGuide: Sie selbst sind mit Seedmatch und Econeers mehrgleisig unterwegs. Für Nicht-Insider: Wo liegen die Unterschiede?

Sauer: Seedmatch ist für Start-ups. Im besten Fall haben Emittenten schon einige Umsätze, ansonsten vielleicht nur einen ausgereiften Prototypen. Econeers fokussiert Projektfinanzierungen aus dem Clean-Energy-Bereich. Beide funktionieren mit partiarischen Darlehen und den Risiken angepassten Verzinsungen.

 

BondGuide: In Ihren eigenen Worten: Firmen welcher Größe und mit welchen Ambitionen suchen Investoren über Mezzany?

Sauer: Gutes Beispiel ist die aktuelle Emission, die Glockengießerei, eine Immobilien-Projektfinanzierung. Eventuell wird auch das gesamte Projekt noch vor Baubeginn schon veräußert. Im Prinzip der letzte Schritt eines Finanzierungsvorhabens, wenn ein Emittent Eigenkapital vorweisen muss. Ein nachrangiges Darlehen wie über Mezzany zählt dabei als wirtschaftliches Eigenkapital, daher auch der Name Mezzany.

 

BondGuide: Nochmal weitergesponnen: Eine Anleihe über 5 Mio. EUR könnte ich auch minimalinvasiv in den Freiverkehr emittieren. Was genau zieht mich zu Mezzany?

Sauer: Wir möchten Investoren einen Zugang zu spannenden Projektvorhaben ermöglichen. Tatsächlich wollen wir Mezzany-Finanzierungen im Freiverkehr listen lassen, um die Handelbarkeit der Anteile zu gewährleisten.

 

BondGuide: … beim aktuellen Projekt Glockengießerei findet man dazu jedoch kein Commitment.

Sauer: Das stimmt allerdings und es hängt mit der Emission selbst zusammen. Da gibt es vier Szenarien, darunter auch kürzer laufende, z.B. wegen eines potenziellen Projektverkaufs vor Baustart. Bei so kurzer Laufzeit ist ein Listing nur bedingt sinnvoll. Wir wissen aber aus der Erfahrung, dass der Wunsch, aus Investments nach eigener Maßgabe auch wieder herauszukommen, oftmals da ist, so dass wir diesen Punkt berücksichtigt sehen möchten.

 

BondGuide: Ich bin eine Firma und falle in Ihr Profilraster: Wie viel Prozent meines angestrebten Emissionserlöses bleiben unter dem Strich bei mir?

Sauer: Das liegt im Bereich von rund 90%. Der Prospekt, die Platzierung über die Plattform etc. sind da aber schon eingerechnet.

 

BondGuide: Sehen Sie sich mit Mezzany im Trend?

Sauer: Ich glaube, nach der Finanzkrise und Lehman Brothers hat sich ein Trend zu vermehrt eigenverantwortlichem Handeln bei Investoren gebildet. Das adressiert Mezzany ja. Ein Marktforschungsinstitut prognostiziert für dieses Jahr ein Platzierungsvolumen von rund 2,5 Mrd. USD.

 

BondGuide: Nun hat die Deutsche Börse ja aber auch gerade ihre neue Pre-IPO-Plattform Venture Network am Start. Ist das nicht direkte Konkurrenz?

Sauer: Nicht ganz. Zum einen ist der potenzielle Investorenkreis bei der Deutschen Börse relativ exklusiv. Zum anderen muss man sehen, dass Pre-IPO-Kandidaten im letzten Jahr vor einem Börsengang ziemlich viel Medienarbeit unternehmen. Die könnte sparsamer ausfallen, wenn man wie bei einer Finanzierung über Mezzany schon viele Crowdinvestoren, also Streubesitz, an Bord hätte. An dieser Stelle sind wir schon einen Schritt weiter und schaffen ganz gute Voraussetzungen für ein späteres „richtiges“ Going Public.

 

BondGuide: Was passiert, wenn ein angepeiltes Volumen nicht erreicht wird?

Sauer: Generell kann man ein Prospekt bis zu einem Jahr platzieren. Im aktuellen Fall Glockengießer hat der Emittent den Platzierungszeitraum seinerseits begrenzt und auch verlautbart, dass eine Platzierungslücke durch eigene Investments geschlossen würde – die Projektfinanzierung ist also so oder so gewährleistet.

 

BondGuide: Herr Sauer, vielen Dank, dass Sie sich kurzfristig Zeit genommen haben.

 

Quelle: http://www.bondguide.de/